dein dritter monat begann sicherlich nicht ganz nach deinem geschmack. du warst gerade zwei monate und zwei tage alt, als du zwei spritzen von deiner supernetten ärztin [die, wie sich herausgestellt hat eine sandkastenfreundin meiner ersten großen jugendliebe ist] bekommen hast. wir haben lange hin und her überlegt, ob das richtig ist – und uns schließlich dazu durchgerungen es überhaupt und jetzt zu tun. letzteres hat sich in einem nachgespräch als richtig erwiesen, da du – je jünger du bist – es wohl sehr schnell wieder vergisst und keine angst vor ärzten aufbaust. ich habe dich auf meinen armen gehalten, als du die spritzen bekommen hast. deine mutter litt bei dem ganzen wohl am meisten. deshalb haben wir davon abgesehen, dass sie dich hält da die gefahr bestand, dass sie evtl. die ärztin niederschlägt oder selbst in ohmnacht fällt. du hast zweimal so schrill geschrien wie nie zuvor, und es ist mir mehr ans herz gegangen, als ich vorher dachte. als du fünf minuten später an der rezeption vorbeigetragen wurdest warst du aber schon wieder bester laune und hast gelacht. und die befürchteten nebenwirkungen gab es danach auch nicht. mein held!
womit wir beim meinem lieblingsthema wären. solltest du noch geschwister bekommen, wirst du wohl immer eine art bürde sein. ein "besseres" kind kann man sich im prinzip nicht mehr vorstellen. du bist nun genau drei monate alt und der hellwacheste und superfröhlichste troll, den man sich nur vorstellen kann. du lachst noch mehr als im letzten monat und unterstreichst deine freude inzwischen mit zahlreichen gurr-, fieps- und quitschlauten die beim spielen zunehmend in ein dauergebrabbel enden. dazu schläfst du inzwischen – mit einer unterschiedlich langen trinkpause – für uns recht angenehm durch, d.h. du schläfst etwa von 23:00 bis 7:00 uhr, je nach form halt. und vor allem: du schläfts sehr sehr fest.
wir haben es inzwischen sehr schnell dran gegeben nach irgendwelchen ratschlägen dein schlafverhalten zu steuern. irgendwann springt sicherlich auch ein tiger durch einen brennenden reifen, aber irgendwie liegt uns nicht viel daran dich zu dressieren. du schläfst daher nachts nach wie vor in unserem bett, weil wir gemerkt haben, dass das einfach dein größtmögliches gefühl von schutz und geborgenheit bedeutet. wenn du so zwischen uns liegst bist du im prinzip unweckbar und schläfst sehr tief und fest, selbst wenn wir laut reden, dich aus versehen knuffen oder dich mal an eine andere stelle schieben, was meist nur mit einem leichten knurren quittiert wird. das machen wir einfach so lange, wie du das brauchst. du schläfst zwar auch in deinem bett, aber wenn du erwachst bist du oft sehr erschrocken und schreist fast ansatzlos die bude zusammen. das muss man dir ja nicht unbedingt bewusst antun.
wie man kinder in deinem alter in einem eigenen zimmer schlafen lassen kann ist mir ohnehin ein rätsel [steigerungsform :
die ferber methode - die für mich eher ein fall für amnesty inernational ist - und inzwischen von vielen namhaften fachleuten, inklusive seines "erfinders", abgelehnt wird. dummerweise hat sich dieses dressur-prinzip aber seit längerem in einigen köpfen unlöschbar festgesetzt]. abgesehen von der dort unnatürlichen ruhe – immerhin hattest du 9 monate das pralle leben um sich herum – müssten wir ja auch jedesmal nachts aufstehen wenn du trara machst. das geht doch für alle beteiligten irgendwie besser. so wie damals, in der höhle. also so, wie es die natur mal vorgesehen hat. überhaupt haben deine eltern in diesem monat eine gewisse sicherheit und lässigkeit im umgang mit deinem befinden hin bekommen. wir machen nur noch das, was unser bauchgefühl sagt – und bisher fahren wir damit sehr sehr gut. wenn du zum beispiel mal schreien möchtest um dich zu beruhigen nimmt einer von uns dich auf den arm und das war's. kein ableneken, nur zuhören, was du loswerden möchtest. das dauert sogar selten länger als 20 minuten. mit bespielen und tülllülü kann man sich damit aber auch den ganzen tag verharken. die menschheit sollte vielleicht mal wieder lernen öfter auf ihre instinkte zu hören ...
du "erwachst" bei unserem aufstehen gegen 6:30 uhr mit einem minutenlangen geknurre und gestrecke, ohne jedoch dabei richtig die augen aufzumachen. das passiert meist erst auf dem wickeltisch, begleitet von einer unbremsbaren bewegungsexplosion aller arme und beine sowie einem hundeähnlichen gehechel, knopfaugenattacken und dem dir eigenen gequietsche. 200% nikolai pur. deine erste windel gleicht daher oft einer rodeoveranstaltung, bei der allerdings alle beteiligten sehr viel spaß haben. dabei immer sehr unterhaltsam: du hältst bei dem ganzen gezappel dein oberteil immer unentwegt unglaublich fest - als würde man die dein letztes hemd stehlen!
danach geht es wie in monat zwei erstmal in deinen küchensitz wo du sehr aufmerksam die frühstücksvorbereitungen deiner mutter verfolgst während ich unter der dusche stehe. danach frühstücken wir mit dir am tisch, bzw. wir frühstücken und du gehst des öfteren in unserem beisein erstmal groß auf toilette. beim abendessen läuft das in etwa genauso ab, allerdings dusche ich nur einmal am tag.
was windeln angeht bist du inzwischen etwas eigen geworden. du kannst teilnahmslos bis zu den ohren zugekackt sein, im gegensatz dazu werden nasse windeln sehr schnell mit unerbittlichem protest quittiert. das windel wechseln selbst begleitest du meist mit viel freude, weil du dich dabei anscheinend toll bespielt fühlst. es ist nicht immer so einfach deine prostestnoten zu unterscheiden, aber so langsam haben wir es raus, da du im prinzip nur a) hunger b) einen nasse windel oder c) nur schlechte laune (selten) hast. ganz gelegentlich sind es auch bauchschmerzen, aber die hast du insgesamt noch seltener als schlechte laune. zum glück.
anfang diesen dritten monats, genauer gesagt am 23. dezember hast du abends dein allererstes spielzeug ins herz geschlossen. das geschenk einer freundin deiner mutter. wir nennen ihn nach einem deiner spitznamen* "
mümmel" [wobei die tendenz gerade eher zu "hasi" geht, da "mümmel" halt doppelt belegt ist und das zu verwechslungen führt]. und wenn mümmel dir in die hände fällt, geht es meist richtig zur sache. mümmel wird gebissen, getreten, zugesabbert, geknufft, gekniffen und auseindergezogen was das zeug hält. da wir die ein oder andere geschichte der mümmels dieser welt kennen - und der damit verbundenen dramen bei verlust - haben wir bei amazon vorischtshalber mal schnell noch zwei doubles bestellt ...
[*bisher: vor der geburt, sozusagen als arbeitstitel "elvis" – danach: "biene", "der weisse hai", "nunni", "mümmel" und "agent tubbs". alles namen, die du im reiferen alter als "ganzer mann" - also im alter ab 12 - bestimmt sehr sehr gerne hören wirst]
aufgrund deiner geburtslage ist das mit dem kopf selber halten schon seit monat zwei abgeschlossen. du freust dich daher inzwischen sehr wenn man dich auf deinen bauch rollt und du deine ersten liegestütz vollbringen kannst. die machst du inzwischen so hoch, dass du dabei auch gerne mal umkippst. aber du willst ja alles um dich herum ganz genau sehen, also versuchst du das wieder und immer wieder. aufgrund deiner sehr zielgerichteten und seitlich abwechselnden beinbewegungen in rückenlage befürchten wir im moment, dass das mit dem selbstständigen drehen auf den bauch innerhalb der nächsten tage passieren könnte. angeblich lernen kleine dreikäsehochs wie du das krabbeln frühestens so ab dem sechsten monat -
"... etwa um den 9. oder 10. Monat wird das Kind erkennen, dass das vorwärts schieben der Knie genau das ist, was es braucht um mobil zu werden.".
*hüstel* ... da du seit deiner geburt in bauchlage dabei bist die knie abwechselnd nach vorne zu schieben [um an imaginäre brüste heranzurobben] setzen wir mal lieber nicht auf die karte, dass du tatsächlich noch 6 monate brauchst um zu merken, was da so geht. wir fangen daher spätestens in einem monat mal an das haus vor deinen neugierattacken zu schützen und so gut es geht kindersicher zu machen. was bei deinem protokrabbeln nämlich vor allem auffällt ist dein unglaublicher wille und dickschädel, der bei aktuell 100 prozentigem nichtgelingen [naja, du drehst dich im kreis] dazu führt, dass du die sache unter protest noch energischer angehst. mit anderen worten: du gibst erst auf, wenn auch wirklich die letzte kraft verbraucht ist, was gelegentlich dazu führt, dass du auf einer deiner spielwiesen völlig k.o. zusammenbrichst und ein kräftemobilisierendes schläfchen hältst.
schön entwickelt hat sich deine kotzerei. irgendsoein magengedöns ist laut deiner hebamme bei euch traglingen ja noch nicht so richtig ausgebildet, was dazu führt, dass ihr gerne mal die gegend, die eltern und alles sonstige vollkotzt. das gedöns scheint bei dir inzwischen gewachsen zu sein. das altägliche aufgewische und umziehen von kind und eltern hat sich nämlich inzwischen sehr minimiert, was insbesondere deinen schlaf begünstigt, weil du nicht mehr davon aufwachst und wir dich auch nicht mehr ständig halbwach umziehen müssen um hinterher ein waches aber todmüdes und quengeliges kind zu bespielen.
was hatte der monat sonst noch zu bieten?
zunächst einmal ganz dolle viel schnee. schade, dass der rieisige rodelhang in der nähe noch nicht ganz das richtige für dich ist.
weihnachten hat dich endlich deine zweiten großeltern aus dem süden des landes zu gesicht bekommen. wie alle anderen besucher waren auch die natürlich entzückt von deinem charme, mit dem du bisher noch jeden um den finger gewickelt hast. und obwohl das ganze weihnachtsgedöns mit vielen leuten und krach und hin und her verbunden war hast du das ganze recht gut überstanden und mit einer einzigen kleinen entspannungs-schreistunde gut über die runden bekommen.
der zumindest ansatzweise befürchtete sylvester-gau ist übrigens auch ausgeblieben. während um dich herum die stadt explodierte hast du ohne anzeichen eines erschreckens tief und fest geschlafen. bemerkenswert.
am 1. januar hast du dann deinen ersten kinderbesuch inklusive großem hund bekommen. im gegensatz zu hunden, durch die du auch direkt vor der nase hindurchschaust irritieren dich weinende kinder, die du mit großer anteilnahme beobachtest. ansonsten hattest du mal wieder eine menge zu sehen und warst bestens unterhalten. man, war das ein monat. wenn das so weiter geht schreibe ich für den nächsten ein ganzes buch ... (o;
was ich dir schon mal für dein leben mit auf den weg geben möchte: mit deiner mutter hast du das ganz ganz große los gezogen. das ist schön, und es macht mich glücklich, unendlich glücklich euch beide miteinander zu sehen. seit du da bist habe ich sowieso deutlich näher am wasser gebaut.
bleib so, du bist ein ganz ganz feiner kleiner kerl.
in liebe,
dein vater
p.s.: ach ja, dein neues lieblingsspiel heißt seit beginn des jahres: "morgens total nackt auf einer wasserdichten unterlage unter eine flauschigen decke unzählige bewegungsexplosionen vollführen und dabei unentwegt quietschen". mal ohne windel durchs leben zu schreiten ist wohl was richtig feines für dich. das funktioniert auch total super und macht dir soviel spaß, dass du aus dem lachen fast nicht mehr rauskommst.
nebenwirkung 1: man kann dich im halbwachen zustand neuerdings nicht mehr so gut zudecken, da du sofort mit einer bewegungsexplosion und quietschen antwortest ...
nebenwirkung 2: machmal geht's dann auch blitzschnell in die hose - bzw. eher nicht. unglaublich, was so alles in dir steckt ...
03/12:
die sicht deiner mutter ...
| rubrik: mein sohn |