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kleine heimatkunde



[fotografiert: ich, klicken: du]



"... es ist ähnlich wie bei einem ein münzwurf. mit verbundenen augen gehe ich rein, mache zwei schritte nach vorn und zwei nach links. sofern ich jetzt meine hose öffne gibt es ab diesem zeitpunkt in unserem eigentlich unbestimmbaren universum nur noch zwei singularitäten. ich pinkel ins wc oder in die küchenspüle."

[timanfaya, ca. 1995]


schöner artikel, gelesen bei frau blogistin. erstmalig finde ich die kulturell bedeutende rolle des möbelhauses ikea gewürdigt. neben aller running gags und häme hat sich das prinzip durchgesetzt, was im besagten artikel beschrieben ist. die freiheit der gestaltung. in keinem anderen möbelhaus bekomme ich so gute ideen für die entfremdung von möbeln. abgesägt, zerteilt, den schuhschrank als gartenmöbel, den stabilen eßtisch als werkbank, egal - hauptsache funktionell. völlig unbewußt hat ikea dabei den gleichen werdegang der bewegung eingeschlagen, dessen inhaltliches erbe es heute meiner meinung nach mehr als berechtigt in anspruch nehmen darf. nach der in jute-räucherstäbchen zeiten kaum zu erahnenden entwicklung stellt ikea inzwischen in voller breite die eigentliche ideologie der bauhaus bewegung dar. diese begann in den 30ern ebenfalls leicht folkloristisch angehaucht und wechselte schnell zur idee der designorientierten industriellen massenproduktion. die dinge wurden unter der berücksichtigung genau dieser maßgaben entwickelt. in den anfängen startete ikea ebenfalls mit der sprichwörtlichen apfelsinenkiste, passend zum gammelig verarbeiteten rattan-stuhl und gelangte allein über die kostenschiene zu der heutigen, hochglänzenden und schlagfesten pax-oberfläche oder dem komplett-alu stuhl. das ergebnis ist im prinzip aus unser aller leben nicht mehr wegzudenken. wenn man nicht gerade im lotto gewonnen hat würde ein dasein ohne ikea heutzutage einen enormen lebensqualitätsverlust bedeuten.

wie im frankfurter rundschau artikel beschrieben hat ikea damit den schritt erfolgreich umgesetzt, den uns die architektur angeblich nicht bieten kann. was meiner ansicht nach nicht stimmt und zu oberflächlich dargestellt ist. das problem liegt in der schulung der betrachtung. ebenso wie sich mein gehör über die jahre an relativ verschachtelte musik und ungewöhnliche rhytmen gewöhnt hat [was andere, "ungeschulte" menschen durchaus verjagen kann], bedarf auch die visuelle wahrnehmung unserer umwelt einer gewissen erfahrungsdauer und schulung. das problem ist nur, ebenso wie in der musik, wo scooter "melodien" [*ufta-ufta-ufta*] nun mal den ballermann massenabräumer darstellen ist auch die architektur im massengeschmack gefangen. was sich in normalen möbelhäusern in form von achteckig verglasten wohnzimmer-zurschaustellungs-schrankwand-vitrinen [selbstredend innenbeleuchtet! aber immerhin für den überbewertetsten raum der gesamten wohnung] im kleinen als das geschmackliche armageddon ankündigt, findet bei der verniedlichung der formensprache und den gestalterischen terroranschlägen der baumarkt-angebote ihre vollendung. mit einem kollegen habe ich vor jahren dafür mal einen satz manifestiert der in der einschlägigen fachliteraur völlig ignoriert wird nur langsam berücksichtigung findet: "nach dem orientierungslosen grauen der pomo-phase stecken wir seit jahren im nicht enden wollenden sumpf der koko-phase".


"wofür braucht man eigentlich ein großes wohnzimmer - zur aufbewahrung des fernsehers reicht doch im prinzip 1m²?!"

[timanfaya, ca. 1998]


das der stilunsicherheit auch, bzw. besonders bei leuten mit geld keine grenzen gesetzt sind [umgangssprachl. "ölscheichgeschmack"], wissen wir ja spätestens seit samstag abend. dennoch ist es die masse, die das essen versalzt. individualisierungsorgien erfolgen grundsätzlich bei haustür, briefkasten und vordach. wahlweise noch bei hausnummer und außenbeleuchtung. aber spätestens an der stelle ist das ungeübte designhirn am ende der möglichkeiten. nach jahrelangem stillstand [abgesehen von transferleistungen zwischen konto -> baumarkt -> geschmackloses zeugs -> "garten"] beginnt der vernichtenste präventivschlag gegen mögliche stilsicherheit im alter meist mit folgendem satz: "wir haben doch was gespart ... was hältst du von einem neuen bad?"


"was ich nicht kenne, das wohne ich nicht ..."

[timanfaya, heute]


was dann folgt erspare ich mir zu beschreiben. wer mal richtig mies drauf kommen will, kann sich bei immoscout über die erschreckende wahrheit dieser feststellung versichern. ich persönlich habe bei dem thema auch schon längst aufgegeben den messias zu mimen. selbst nahestehende personen [mutter] reagieren auf die frage "warum willst du das wc rundum raumhoch fliesen - gehst du da täglich mit dem dampfstrahler rein?" mit irrationalsten ausflüchten. für einen menschen dem drei materialien an einer stelle meist schon eins zu viel ist nicht wirklich nachvollziehbar. und genau auf dieser ebene ist es völlig unmöglich einem mit optischen erinnerungsschnipseln aus schöner wohnen, amica und dem letzten sommerurlaub behafteten hirn auch nur einen hauch von gestalterischer ästethik nahe zu bringen. wobei dies schon den idealfall darstellt. richtig haarig wird's ja meist bei völlig orientierungslosen menschen und dem wunsch nach bunten dachziegeln. weia!

auch ich schwanke täglich zwischen meinem hang zu altbau und sichtbeton. beiden ist jedoch gemein, im zweifel authentisch und stilecht [zu einer epoche oder definierten ästhetik zugehörig] zu sein. ebenso, wie ein gut erhaltenes 60er jahre einkaufsgeschäft mit messingeinfassungen am schaufenster, goldschrift an der türe und schwarzem glas als verkleidung. zeichen einer zeit. und genau das kann man heute kaum noch beobachten. eine richtung, einen gedanken hinter der der oberflächlich betrachtet zufälligen optik.

und genau deshalb ist die gesellschaftliche "leistung" von ikea nicht zu unterschätzen. ein teil der masse beschäftigt sich endlich kreativ mit seiner umwelt und macht sich eigene gedanken darüber. sicherlich ein guter, ein wichtiger anfang. vielleicht hat ja nach dem niedergang der diktatur der möbelhäuser auch eine tages endlich der terror der baumärkte ein ende. die hoffnung stirbt nun mal immer zuletzt ...


[auf dem foto ist übrigens ein typisch häßliches sechziger jahre gebäude mit satteldach nach dem umbau zu sehen. jetzt ohne satteldach. na bitte, es geht doch.]
betonistin (Gast) - 2006-02-02 15:35

mal abgesehen davon, dass dies brilliant geschrieben ist: ich mag ihre gedanken sehr, junger mann.

timanfaya - 2006-02-02 15:53

... vielen dank. vielleicht sollten wir mal unsere gestalterischen ideen zusammen verwirklichen?! (o;

[beim standort der spülmaschine hört der spaß allerdings auf!]
blogistin - 2006-02-02 18:22

nö.
vielmehr würde mich interessieren, wieso du das wort brillant zu den allergemeinsten deutschen wörtern zählst.
(und ich habe es auch noch falsch geschrieben)
timanfaya - 2006-02-02 18:37

eben drum [absatz 1, zeile 3]. weil das irgendwie fast jeder entweder verbaselt [10%] oder es schlicht nicht besser weiß [95%]. meiner vermutung nach das am häufigsten falsch geschriebene deutsche wort überhaupt. da muß ich mich auch immer ganz böse konzentrieren. dicht gefolgt von häl[t]st.

und zum thema "nö" suche ich heute abend mal ein wenig in der ablage rum ... (o;
blogistin - 2006-02-02 18:46

ah, jetzt versteh ich's. also gehöre ich zu den 10 prozent, die eigentlich 5 sein müssten (oder gehört das jetzt in die schublade milchmädchen?). da siehst du mal, wie sehr mich dein text gefangen nahm, nicht einen funken konzentration hatte ich nach dem lesen mehr im hirn.

(btw: gibt es eigentlich das wort "halsen" wie "wenden"?)
timanfaya - 2006-02-02 22:25

nein. es gibt 5% die es trotz nicht vorhandenen wissens eigentlich richtig [aber aus ihrer sicht falsch] schreiben, dabei jedoch einen schreibfehler begehen. zugebenen, etwas um die ecke gedacht, aber sicher nicht völlig realitätsfern ...

[btw: da sieht man mal, wie schnell man sich thematisch was aufhalst.]
Cosmas - 2006-02-03 14:07

Nicht ganz unproblematisch ist allerdings der entschieden weniger bauhausige Jägerzaun, der das schöne Häuschen umfriedet...

timanfaya - 2006-02-03 14:55

... wie man am provisorischen "geländer" auf dem garagenanbau erkennnen kann: die restarbeiten sind noch im gange!

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http://timanfaya.twoday.net/stories/1503653/modTrackback

aktueller gemütszustand





hallo erstmal ...

hallo unbekannter benutzer ... ich weiß nicht, ob du es schon wußtest, aber du bist nicht angemeldet. du hast jetzt genau zwei möglichkeiten noch tiefer ins klo zu greifen:











11 freunde sollt ihr sein ...







365 bilder sollt ihr werden ...



google mich durch!

 

egalisiert

mit sehr viel Geschmack...
mit sehr viel Geschmack gemacht, mein Kompliment!
tommy1208 - 2009-12-05 11:29
Dafür sieht es dann...
Dafür sieht es dann so aus, wenn Männer sich...
bjs (Gast) - 2009-12-04 13:01
früher war alles...
[ungefragt das bild geklaut: ich, klicken: du] wenn...
timanfaya - 2009-12-04 10:15
"die kieszufahrt" ist...
"die kieszufahrt" ist natürlich eine temporäre...
timanfaya - 2009-12-02 11:27
knockout
trotz neugeborenen bedingte dauerbeduschung mit virugard...
timanfaya - 2009-12-02 11:18
Und wann ...
... kommt der "Anbau" links an die Reihe? *duckundweg* PS:. ..
jazzer (Gast) - 2009-12-02 11:00
danke. für das bessere...
danke. für das bessere aussehen hätte allerdings...
timanfaya - 2009-12-02 10:57
Das mag schon sein. Dank...
Das mag schon sein. Dank deiner Blogberichte weiss...
flyhigher - 2009-12-01 15:26
naja, auf dem bild sieht...
naja, auf dem bild sieht man bis auf das neue fenster...
timanfaya - 2009-12-01 13:55
Complimenti, complimenti!
Complimenti, complimenti!
flyhigher - 2009-12-01 13:44

*.mp3


cinematic orchestra
ma fleur


nine horses
snow born sorrow


jimi tenor
intervision


chris isaak
wicked game



johnny cash
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depeche mode
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