wenn ich richtig mitgezählt habe mußte ich bis heute etwas über 25 jahre warten, bis ich eines meiner lieblingsstücke mal "live" hören durfte. zur entschädigung immerhin "entkleidet", was euren sachen ohnehin immer sehr gut steht. das leben kann so schön sein ...
1983. das jahr meiner ersten musikalischen erleuchtung. das 1981 erschienene debüt album von depeche mode war im allgemeinen synthie gewusel der anfangs 80er irgendwie an mir vorbei gelaufen. die noch in den kinderschuhen steckende musikalische revolution war mit omd, soft cell, human league und anderen bands medial bereits reichlich besetzt, so dass mir das zumindest bemerkenswerte erstlingswerk von depeche mode nicht bewußt zu ohren kam. und mit 13 - und vor allem ohne internet - ist man ja nun mal nicht gerade der trendscout für interessante dinge am rande des geschehens.
wie ich an das zweite album kam weiß ich leider nicht mehr, ich glaube ein freund hatte das ding, was bereits ohne vince clark, dem eigentlichen songwriter der gründungsband produziert worden war. martin gore schrieb von nun an - gezwungenermaßen - die musik und lyriks, und er machte es von anfang an gut. der sound wurde dichter und subtiler, die strukturen wurden mehrschichtiger. letztendlich das, was die band bis heute ausmacht. anders als bei vince clark, der immer schon auf eine einzige lead melodie eines einzigen instrumentes bzw. tonspektrums setzte. sicherlich auch melodiös begabt, aber zu kurzeilig. die veränderung sollte sich für die band über die jahre als absoluter glücksgriff erweisen.
das video mit dem konzertbeginn ist aufs jahr 1982 datiert, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es anfang 1983 gesehen habe. in der zeche in bochum, vor ein paar hundert zuschauern. nach diesem konzert war alles anders [das damals übliche alberne rumgehampel blenden ich dabei geistig aus]. david gahan war noch von seiner bemerkenswerten bühnenpräsenz entfernt* eben dieser beginn - zusammengeschoben aus der b-seite der allerersten single [the meaning of love], oberkorn und meinem damaligen lieblingsstück des zweiten albums, my secret garden, war es, der mich aufhorchen lies. heute, nach dreißig jahren in denen ich nicht eine tour verpaßt habe, weiß ich was es war. das noch schwach ausgeprägte aber bereits spürbare gefühl martin gores für unglaublich einfache, gute und musikalisch anspruchsvolle klangteppiche.
wenige jahre später sollte depeche mode "die" wegweisende sample-band werden, die dem industrial sound den weg in die charts ebenete. an dieser zeit kleben noch heute viele fans die das eigentlich fantastische dieser band nicht richtig nachvollziehen. seit dem erfolgreichsten album violator erfindet sich die band mit jedem album neu. die grundidee bleibt fühlbar, aber der sound ist jedesmal völlig anders. jedesmal denke ich vorher - hmmhhh ... irgendwann ist es sicher vorbei - und jedesmal bin ich aufs neue überrascht, wie man nach über 30 jahren noch so kreativ sein kann [was ich U2, die ebenso lange bestehen, übrigens in gänze abspreche].
was ich 1983 angefangen habe wird ab diesem jahr einen langen weg gehen. meine ohren öffnen sich für sehr verschiedene richtungen, im prinzip für fast alles. das über die jahre angesammelte ergebnis ist so vielfältig und qualitativ gut, dass der entfall von musik so ziemlich das schlimmste ist, was ich mir für mich vorstellen könnte.
und nach wie vor glaube ich, dass es an der musik von martin gore liegt, der für mich ein melodiegenie ist und mit seiner musik über jahre meinen geschmack angeregt hat. letztendlich ist auch musik hören eine sache des trainings und der erfahrung. ich höre heute melodien, wo andere nicht mal musik hören. aber keinen angst, ich höre selten stimmen ... (O;
* die während der zeit seines drogenabsturzes jahre nach dem eigentlich legendären pasedena konzert sicherlich ihren höhepunkt fand. aber die faith an devotion tour sollte ohnehin alles bisher gewesene in den schatten stellen, wie auch die konsequenzen]
für mich die schönsten momente aus 30 jahren. 1993 war uneingeschränkt der visuelle und akkustische konzerthöhepunkt. die einheit von musik, text und emotionaler umsetzung. immer wieder schön: der puls der security von geschätzten 200 ab 5:20 im in your room mitschnitt ...
[before <- joy division ]
[to be continued -> new order]
ich mochte die ja noch nie besonders, auch nicht am new year's day. da klebte für mich immer schon zu viel fremdschämpotential dran. zuviel theatralik, zuwenig authentizität. irgendwie hat bono so eine aura vom aufgestiegenen, ehemals tennissocken in sandalen tragenden maschinenbaustudenten, der noch nie wirklich cool war. also so eine art ein zweiter john bon jovi. der braucht's ja auch immer mit viel klim und bim. im gegensatz dazu freue ich mich bei meinen konzertbesuchen immer auf gute musik, reduzierte bühnen - und nicht auf eindruck schindende materialschlachten für feuerwerkstouristen.
ich besitze nicht eine einzige platte von ihm - aber live haut der mich immer wieder um. ganz ganz großes tennis. an der ein oder anderen stelle hat herr cullum mir dann doch mal feuchte augen bereitet. mal vor lachen, mal vor lauter glück. aber dazu ein anderes mal etwas mehr ...
um den aufbau des medleys zu verstehen: auf der großen bühne des nile traten an diesem tag noch seal und adele auf. der gag kam also recht gut an. auf michael jackson haben wir an dem abend als überraschungsgast dann doch nicht gewartet.
dafür hatte ich dieses jahr auf prince gehofft. war aber nix, das programm wurde ja schon im mai bekannt gegeben. also roger nelson, die latte hat herr cullum dieses jahr ganz schön hoch gelegt. aber ich weiß: du kannst es - also komm endlich!
p.s.: auf eigenes video material habe ich mal ausnahmsweise verzichtet, der zoom meiner cyber shot knippse ist da doch etwas beschränkt.
ich war dann mal wieder kurz weg. wen es interessiert: duffy [vor ca. 15.000 zuschauern] ist von der 19 jährigen selah sue [vor ca. 500 zuschauern] innerhalb weniger minuten in grund und boden gesungen worden.
ich hatte eigentlich nichts zum schlagzeilen beherrschenden thema zu schreiben. allein, weil die genialität, die michael jackson nachgesagt wurde, zwar nicht völlig, aber in großen mengen an mir vorbei gerauscht ist. keine frage, er war mal gut. aber als er gut war, fand ich andere besser. "genial" war für mich prince. der konnte alles selber spielen und hat seine dinger selber produziert [auch wenn man seine jeweilige bandbesetzung als einfluß jeweils deutlich aus den alben heraushört]. prince hat musikmaßstäbe gesetzt, michael jackson hat pop gemacht. mädchenmusik halt. die wenigen kuhlen mädchen [und alle holländer, auch so ein thema] gingen "damals", so mitte der 80er, zu prince konzerten.
selten hat mich der tod eines bekannten künstlers emotional so unberührt gelassen. im gegensatz dazu erinnere ich mich noch genau an die meldung, dass freddy mecury verstorben sei. es war anfang der 90er, ich saß in meiner studentenwohnung beim frühstück. es kam nicht wirklich unerwartet, die welt wußte ja um seine damals noch als unheilbar geltende krankheit. ich weiß nur noch, dass ich recht lange geweint habe. keine ahnung warum, ich besaß nicht ein einziges album von ihm. das ist mir auch im nachhinein nicht erklärlich. ich hatte auch alle angestrebten konzertbesuche bis dahin mit "ach, ... beim nächsten mal!" verschoben. rückblickend DER musikalische fehler meines lebens schlechthin.
tage nach der meldung des todes von jackson habe ich inzwischen doch ein paar emotionen zu seinem tod. egal wie irre er war: er tut mir rückblickend leid. er hat's schlichtweg nicht gepackt. wie leicht es ist, als gefeierter 20 + X jähriger völlig den halt zu verlieren habe ich vor ein paar monaten in einer sehr guten depeche mode biographie über david gahan gelesen. der hat den helden-olymp der frügestorbenen megastars ja auch nur um wenige sekunden verpaßt, obwohl er eigentlich schon angekommen war. meine herren, was war das für ein jahrelanger film. im zeitalter vor internet hat man davon natürlich so gut wie nix mitbekommen. und im gegensatz zu michael jackson war gahan auf dem höhepunkt des untergangs in denkwürdiger und bester konzertform. absolut desaströs, mit unglaublichen geschichten am rande. sehr unterhaltsam im nachhinein, sicherlich absolut grenzwertig für alle damals beteiligten. götterdämmerung halt ...
aber zurück zum king of pop, dessen stück welches mich bei erscheinen am meisten genervt hat, mir heute am besten gefällt [hört, hört!]. ich glaube, ich verstehe vieles. von menschen enttäuschte frauen legen sich die achte katze zu, michael jackson hatte es halt mit kindern [ich glaube übrigens zu 100% nicht, das ...]. finde ich emotional und rational sehr nachvollziehbar. es gibt ja auch die ein oder andere belegte geschichte, die ein recht normales licht ausstrahlt. sofern man mit dieser bekanntheitsbürde überhaupt von normal sprechen kann. und, was die restlichen "geschichten" so angeht: mit diesem erfolg und insbesondere so einem gearteten vater, würde ich mich täglich mit schwarzer schuhcreme einreiben, mir auf dem von mir festungsartig ausgebauten obersalzberg in monatlichen abständen von vitali klitschko die nase breithauen lassen und überlegen, ob ich irgendwie mein geschlecht sang und klanglos ablegen kann. kein zweifel.
1982 war wohl das zentrale jahr meiner jugend. oder besser: der beginn. ich ließ den boxenstop [erste mal knutschen] auf dem weg zum "richtigen" ersten mal gekonnt aus [ohne zu wissen wie mir geschah] - und ich fing an, mich für musik zu interessieren. am rande: wir hatten musikalisch gesehen eine beinharte kindheit. ähnlich wie bei den "frauen" habe ich auch tontechnisch irgendwie die zwischenschritte ausgelassen. während ich zwischen 12 und 14 die frühen beatles stücke in form des roten albums [heute nennt man sowas "compilation", hatte mir irgendwer zum geburtstag geschenkt] dünn hörte [zur erinnerung: es gab zeiten mit abrieb auf den tonträgern] begann 1982 für mich mit einem schlag das dunkle zeitalter. und joy divison war der erste akt meiner großen und immer noch nicht abgeschlossenen reise zwischen den tönen. ian curtis war zwar schon zwei jahre tot [und der rest der gruppe sollte im nächsten jahr ein ganz neues lebensgefühl auf die tanzfläche bringen] aber es gab verdammt viel zu entdecken. rückblickend zunächst jedenfalls deutlich mehr als unter den röcken meiner anderen großen interessenausrichtung.
ebenso rückblickend frage ich mich, wie meine eltern das alles ohne größeres eingreifen zulassen konnten. ich denke, es war das große glück, dass sie nicht mal die hälfte gehört und wenig von dem gesehen haben, wo man sich so rumtrieb. wenn ich mir das musikalische spektrum so retrospektiv anhöre mache ich mir ja fast um mich selber sorgen. und das liegt nicht nur an joy divison. da gab's dann doch so einiges, was meinen etwas seltsamen musikgeschmack geprägt hat ...
seit fast dreißig jahren jedes mal das gleiche. und ich falle jedes mal drauf rein. ein fassungsloses "so ein scheiß!" wechselt mit der zeit zu einem erstaunten "oh ...!"
hallo unbekannter benutzer ... ich weiß nicht, ob du es schon wußtest, aber du bist nicht angemeldet. du hast jetzt genau zwei möglichkeiten noch tiefer ins klo zu greifen: